Zwang zum Untergang oder Unaufhaltsamkeit der Evolution?

Stand: 26.9.2026 
 
Manifest der Freien und Kreativen


Radikale Frage: Wie werden 600 Mrd. € p.a. an uns vorbeigeleitet,

wie kriegen wir sie stattdessen auf unsere Konten / Sozialsysteme?


So lautet die eigentliche Frage hinter dem Streit um Sozialkürzungen, die als „Sozialreform“ bezeichnet werden.
„Radikale Mitte“ hieß eine 1950 von Kabarettisten gegründete „Spaßpartei“. Angesichts des allmählichen Untergangs der Mitte-Parteien CDU/CSU, FDP und SPD und starker Wahlerfolge der Ränder: „rechts“ durch die AF(d), „links“ durch Linke und BSW, wäre eine „radikale Mitte“ heute ganz ernsthaft erforderlich:
Radikal ist der Behauptung Konservativer zu widersprechen, es sei „kein Geld mehr da“.
Radikal deutlich ist dagegenzuhalten, dass mehr Geld als je von unserer immer effizienter werdenden Wirtschaft generiert wird.
Radikal ehrlich ist zu zeigen, wie allein in Deutschland jährlich 600 Mrd. € in eine Art von Wachstum gesteckt werden, das nicht nur überflüssig, sondern lebensgefährlich ist.
Radikal ist aber auch der eher „linken“ Ansicht zu widersprechen, an mehr Geld komme die Gesellschaft durch Tarifpolitik und höhere Einkommensteuern für Reiche.
Radikal sind aufwändige „Klimamaßnahmen“ (end of pipe) abzulehnen und stattdessen Weichenstellungen (front of pipe) zu fordern, die uns automatisch am Klimaschutz verdienen lassen.
„Radikal“, an die „Wurzel“ gehend ist der neue Weg, der längst beschritten wird, nur – dank rückorientierter Beharrungskräfte – nicht so konsequent, dass er zur Rettung führt, und vor allem ohne dass die Öffentlichkeit daran beteiligt wäre.
Durch ein radikales Umdenken können nicht nur die bewährten demokratischen Parteien sich retten, sie können v.a. der „sozialen Marktwirtschaft“ spielend leicht neue Kraft erschließen; die Schritte hierzu machen zugleich die Umweltprobleme lösbar. Obendrein führt der neue Weg Kapital und Ressourcen in die Herkunftsländer der Migrant(inn)en.
Es geht um eine Wirtschaftsordnung, auf die von der jetzigen sofort umgeschaltet werden kann und die finanziell attraktiv für alle Beteiligten ist, so dass sich die Frage der Durchsetzung gar nicht stellt, weder in unserem Land noch international.


Politisches Handeln durch Sichtbarmachen des Ausgeblendeten

„Machen ist wie Wollen, nur krasser“: dieses vielzitierte Wort (Buchtitel Hans-Uwe Köhler) gilt ganz besonders für die Politik. „Machende“ sind dort normalerweise nur die Abgeordneten, in Regierungen Sitzenden oder auf Parteitagen Beschließenden. Alle anderen politischen Engagements, v.a. Initiativen mündiger Bürger/innen, werden von jenen wirklichen Politiker(inne)n gerne als „vorpolitisch“ abgetan. Normalerweise.
Doch in einer Ausnahmesituation, wenn die Wahrheit nicht zur Sprache kommt, wenn die Sichtschutz-Mauer immer höher gezogen werden muss vor dem Versagen des Systems und vor dem Lösungsweg: der Rutschbahn, die fast von selbst zur System-Vereinfachung führt, zum energieärmeren Zustand, wenn die Propaganda-der-Sprachregelungen immer lauter wird, damit die Sprache nicht auf die Problemursachen kommt, dann werden auch Aufklärungs- und Meinungsbildungs-Initiativen zur Aktion, zum unmittelbaren Machen des Überfällig-Neuen:



Ausgeblendete Fragen

Wie können wir ausbrechen aus der bisherigen Zwangsordnung, die befiehlt: „weiter so!“, was unweigerlich in den Crash führt?
Die Vorboten des Zusammenbruchs spüren und erleben wir:
   ❖   das überhitzte Klima, das nicht nur unser Leben und unsere Zukunft einschränkt, sondern bereits unmittelbar zur Belastung unsrer Wirtschaft wird,
   ❖   der gegenwärtige Zusammenbruch unserer sozialen Sicherungssysteme: die „Wahl“ zwischen Versicherungspleiten und sozialem Kahlschlag,
   ❖   die Wiederverschärfung des einst überwundenen Ost-West-Konflikts, insgesamt die Zunahme internationaler Spaltungen und Spannungen sowie das Migrantenelend: auf dem Mittelmeer und in den Herkunfts- und Durchgangsländern, ob Afrika, Asien oder Lateinamerika; das Gefühl der Hilflosigkeit, nachdem weder Grenzkontrollen und Zurückweisungen noch verstärkte Aufnahmen das Grund-Übel wenden können.

Wie kommen wir stattdessen in eine Ordnung des Schöpferischen, die uns die Wachstumskurve, auf der wir uns befinden, in eine S-Kurve überführen lässt, so dass das äußerlich-materielle Wachstum sanft in Ausgewogenheit mündet?
Wie kommen wir weg vom derzeit erzwungenen Wachstumsweg, vom Vorrang des äußerlich-materiellen Wachstums? Wie können wir jenes gefährliche, in den Abgrund führende (Kapitalstock-) Wachstum dämpfen und herunterregeln? Wie beenden wir die ineffiziente Wohlstandssteigerung durch mehr Ressourcen-/Energie-/Kapitalstock-Einsatz bzw. -Verschwendung, die vornehmlich in den Taschen der Leistungsanbieter, d.h. der „Anleger“ landet?

Wie kommen wir stattdessen auf den anderen, kostenarmen Steigerungs-Weg: zum „Wachstum“ des Innovativen und Kreativen, zur Steigerung menschlicher Fähigkeiten, der Information, der Vernetztheit, der Organisiertheit? Wie können wir es schaffen, dass die Expansion des Menschen, Wettbewerbs-Drang, Suchen und Austesten der Grenzen, wissenschaftliche Neugier und schöpferische Probierlust ungehemmt weitergehen können – auf sozial und ökologisch unschädliche Weise?


Evolutionstheorie präzisiert

Es ist die Evolution, die diese beiden grundverschiedenen Wege der Steigerung anbietet:
   ❖   Steigern der Wechselwirkung: stärker, größer, reproduktiver, ressourcenintensiver,
 dieser Weg führt in materielle Engpässe und in den Kampf um die Ressourcen,   
   ❖   oder Steigern der Komplexität.
 jener andere Weg setzt Grips gegen Kampf und lässt Konflikte auflösen, da er ständig neue Spielräume findet und erschließt. Er ist darum eigentlich der erste, der hauptsächliche Weg der Evolution, dem der andere Weg nur zur Materialisierung dient.
Historisch gesehen, war jener kreativ-innovative Weg auch in der vergehenden Epoche der Engpässe, Konflikte und Hierarchien, des Verzichtens und Sich-Unterordnens immer mitentscheidend. Er war nur dem knechtischen Weg des materiellen Wachstums während der letzten rund fünftausend Jahre untergeordnet; darum waren die Kreativen mitgeknechtet. Jetzt, da jenes Wachstum-der-Materialbeschaffung im Sinne des Regelkreises „erfüllt“ gesättigt und gebremst ist, setzen sich Freiheit und Kreativität wieder an die Spitze, werden zum übergeordneten Evolutionspfad und leiten eine neue Epoche ein.
Ohne diese Erkenntnis des Universal-Trends zu Rettung, Vereinfachung und Ertrag-für-alle, ohne diese Modifikation der Theorien über die Evolution der natürlichen und der kulturellen Systeme sind alle politischen Debatten über eine zukunftsfähige Industriekultur, über ein Verhindern der Klimakatastrophe und ein Überleben der Menschheit irrelevantes Geschwätz bzw. „unentscheidbar“. Oder einfacher und deutlicher: Ziehen wir den Sichtschutz weg, erkennen die Leute die neuen Verdienstmöglichkeiten, wird’s von alleine laufen.


Ausgeblendete Langwellen der Konjunktur

Wie kommen wir auf einen Weg, die materiellen Produktionsfaktoren (Kapital, Energie) allmählich zu ersetzen: mit Arbeitsstunden und Kreativität, mit systemischen Innovationen? Wie kommen wir auf einen Weg, Vollbeschäftigung und wachsende Arbeitnehmereinkommen auf Kosten der Kapitaleinkommen zu generieren? Einen nachhaltigen Weg: mehr Wohlstand mit immer weniger materiellen Produktionsfaktoren / Ressourceneinsatz zu erreichen?
Es wäre eine Revolution, friedlich und unaufhaltsam; es würde die utopischen Visionen von Christus bis Marx verwirklichen und eine grundlegend neue Zeit in die Wege leiten. Erst unserer Gegenwart ist das vergönnt. Denn erst das übertriebene Beharren auf dem Kapitalstock-Wachstumsweg schuf in der Vergangenheit die Mittel hierfür.
Bei den ca. 50jährigen Konjunkurzyklen (nach Kondratieff) ist dieser Weg zur Epochenwende, ist der Vorrang des Kreativen immer mehr im Trend. Schon in der letzten (und im Augenblick gerade vergehenden) Konjunkturwelle der Digitalisierung und Telekommunikation („Fünfter Kondratieff“) schob sich das Kreative, Vernetzende, Informative gegenüber den (die ersten vier 50-Jahres-Konjunkturwellen seit Beginn der Industrialisierung Ende des 18. Jh. dominierenden) großen Fabriken und Fertigungsstraßen immer mehr in den Vordergrund.

      Die Frage, wie es den Beharrungskräften Anfang der 1970er Jahre gelingen konnte, diesen Aufbruch der Kreativität doch noch einmal an die Schwerindustrie zu ketten – das ist es, was man „Automatisierung“ nennt und was heute angeblich durch AI getoppt werden soll – wäre an anderer Stelle in einem historischen Rückblick zu klären.

In dieser einen Frage nach den beiden alternativen Ordnungen bzw. den beiden unterschiedlichen Wegen wurzeln all die gegenwärtig brennenden Fragen nach Sozialreform, Wirtschaftsaufschwung, Ökologie und Migration. Diese vier Themen sind nur so, im Zusammenhang, zu behandeln. Jede isolierte Betrachtung führt zur Unlösbarkeit oder zu einer Pseudo-Lösung, zur teuren Alibi-Veranstaltung oder Symptombekämpfungs-Show.


Ausgeblendetes Thema: Scheren als Problem und Potenzial

Das bewusste, absichtliche Einpeitschen des Kapitalstock-Wachstumswegs gegen alle ökologische Bewusstheit und soziale Vernunft in den letzten Jahrzehnten ließ eine Schere sich öffnen zwischen dem Leistungsvolumen des Wirtschaftsfaktors Kapital: Maschinen / Büroausstattung / Anlagen sowie des Faktors Energie (zum Betrieb der Anlagen) einerseits und dem Leistungsvolumen des Faktors menschliche Arbeit andererseits. Eine „Relationsschere“: Der Anteil dessen, was durch den Einsatz von Anlagen (Investment, Kapital) und Energie (fossile Brennstoffe) zur Gesamtleistung beigetragen wird, wird immer größer in Relation zu dem, was die menschliche Arbeit (insgesamt betrachtet) beiträgt.
Dem entspricht eine Einkommens-Schere: Am Ersetzen menschlicher Arbeit durch Anlagen, von Fertigungsmaschinen und LKW-Terminals über komplexe Hard- und Software bis hin zur heute fokussierten AI, verdienen wenige Investoren immer mehr, während aus dem Ertrag des Faktors Arbeit immer weniger Lohn und soziale Sicherheit herausgezogen werden, so dass sich die Mehrheit um einen immer enger werdenden Korridor prügeln muss.

      Heute wird diese relative Schrumpfung des Faktors Arbeit und des aus ihm zu ziehenden Ertrags auch noch verschärft durch den Geburtenrückgang bzw. den „demografischen Wandel“: dass immer weniger Junge immer mehr Alte versorgen müssen. Dieses „erlaubte“ und in den Medien breit behandelte Thema wird aber nur draufgesattelt auf das viel größere, aber ausgeblendete Thema der jahrzehntelangen Relations- oder Scherenentwicklung.

Genau das Beharren auf der Gewohnheit, alle Einkommenssicherung und alle soziale Sicherheit ausschließlich aus dem Faktor Arbeit zu gewinnen, machte Arbeit notwendigerweise immer unattraktiver für die Unternehmen und zwang sie zu Investitionen-gegen-Arbeit.
Hier ist von einer Kostenschere Anlagen-Arbeit oder auch Arbeits-Sachkostenschere zu sprechen. Da sich der Bereich Energie/Rohstoffe immer parallel zu Kapital/Anlagen verhält, könnte man auch Arbeits-Energiepreis-Schere sagen. Die Unternehmen sind im Konkurrenzkampf gezwungen, durch Einsatz von Kapital und Energie die Arbeitsplätze immer produktiver zu machen.
Die (Volumen-) Schere zwischen dem aus Arbeit Erwirtschafteten und dem aus Kapital und Energie Erwirtschafteten, also die Fehl-steuerung, die den Sozialstaat aushöhlt, die Umwelt zerstört, der „3. Welt“ Kapital und Ressourcen vorenthält, wird durch jene Kostenschere gesteuert. Damit aber wird klar, wie wir die Zerstörung beenden und allesamt als große Mehrheit der Geringvermögenden und Durchschnittsverdienenden an das große Geld gelangen können, das bisher die Kapitalanleger alleine einstreichen: indem wir die Kostenschere umdrehen.
Und das geht ganz einfach! (Siehe „Durchsetzung“)


Desorientierte Gewerkschaftsspitze

Der (Rumpelstilzchen-) TRICK ist die Tarifpolitik: Sie treibt die Arbeitskosten-Investitions-Spirale bzw. Tarif-Wachstums-Spirale an: Das ist der eigentliche Kreislauf, der sich hinter der von der Arbeitgeberseite gerne thematisierten „Lohn-Preis-Spirale“ versteckt!
Die drei Wirtschaftsfaktoren Arbeit, Kapital, Energie entwickeln sich aus Unternehmersicht so: Der Faktor Arbeit wird durch Lohnsteigerung immer teurer in Relation zu den Faktoren Kapital und Energie.
Die Gewerkschaften erklären im Blick auf ihre Tarifpolitik gebetsmühlenartig ihre Absicht, „die Beschäftigten am wachsenden Produktivvermögen der Wirtschaft zu beteiligen“. Dieses Ansinnen ist grundsätzlich richtig. Aber: Die Tarifsteigerung treibt mittels der genannten Kostenschere Produktivität bzw. Wachstum nur immer neu an – was Kapitalnachfrage und Zinshöhe stützt. Davon haben die Geringvermögenden nichts; sie können ja kaum Zinserträge kassieren; stattdessen aber werden sie von höheren Mieten und anderen steigenden Lebenshaltungskosten empfindlich getroffen. Denn Investitionen/Finanzierungskosten der Unternehmen müssen durch die Verkaufspreise wieder hereinkommen.
Bei den Vermögenden hingegen übertreffen die Zinserträge die steigenden Lebenshaltungskosten: So funktioniert die oft beklagte „Umverteilung“: Da die Tarifsteigerung durch Investitionen/Automatisierung/Wachstum beantwortet werden, wird den Beschäftigten das Lohn-Plus hinten wieder aus der Tasche gezogen.


Warum weder „Klima-Proteste“ noch „-maßnahmen“ halfen


Durch die Klimaproteste seit 2018 ist der Verbrauch fossiler Brennstoffe in den Fokus geraten. Doch im Mittelpunkt des Geschehens bzw. der wirtschaftpolitischen Entscheider steht nicht die Steigerung des Energieverbrauchs, sondern der Wachstumszwang, präziser: das Wachstum des Kapitalstocks. Aus diesem Blickwinkel bzw. aus Perspektive der Anleger sind die Klimawirkungen zwar nicht beabsichtigt, aber ein in Kauf zu nehmender „Kollateralschaden“.
Unsere Frage: Welcher Wettbewerb, der Wettlauf worum, welches Wachstum hat von Natur aus den Vorzug: Das Aufbauen gigantischer materieller Strukturen in den Händen weniger, die mit diesem Monopol noch mehr „wuchern“, d.h. für noch mehr materielle Konzentration sorgen können – oder das Wachsen menschlicher Fähigkeiten, der Wettlauf um Kreativität, die möglichst breite Streuung einer Freude an der Arbeit, an der Kooperation, am Lösen von Problemen, am Mitdenken und Sich-ins-Ganze-Einbringen?

      Die Absicht, Besitzkonzentration zu fördern, ist in den letzten Jahren besonders durch die laxe Zins- und Geldmengenpolitik der EZB deutlich geworden: Was ursprünglich ein Instrument war, nach der Rezession von 2008 und nach der Euro-Krise Pleiten zu verhindern, wird längst dazu genutzt, dass sich Unternehmen dank billigen Krediten die letzten Ressourcen, v.a. Immobilien, aneignen, so dass Durchschnittsverdienenden Bauen, Kaufen oder Mieten von Wohnraum immer schwerer fällt. Doch steigen die Zinsen, so wäre das ebenfalls ein Geschenk für die Reichen auf Kosten der „Normalbürger“. Um aus diesem Dilemma herauszukommen bzw. die übermächtige Zocker-Lobby zu entmachten, brauchen wir völlig neue Steuerungsinstrumente.

Unser gegenwärtiges System fördert eindeutig Macht- und Besitzkonzentration, während die Evolution dezentral und kreativ organisiert ist. Nur deshalb haben die Kreativen die Chance, trotz scheinbar geballter Übermacht das Blättchen zu wenden. Scheinbar deshalb, weil die hochmütigen Strippenzieher Ohnmächtige sind gegenüber der alles beherrschenden Evolution.
„Sie“ müssen mit riesigem Propagandaaufwand „mauern“. „Wir“ können allein durchs Hinausrufen der Wahrheit die Mauer zum Einsturz bringen.


Die Durchsetzung

Wir beschreiben jetzt das in der Industriegesellschaft entstandene „Wirkungs-Domino“, das die Fortschrittsordnung des kreativen Evolutionsweges installiert. Der (r)evolutionäre Hebel besteht in der verteilungspolitischen Innovation und im Umkehren der Kostenschere.

Die Umfinanzierung und ihre bisherige kurze Geschichte
Im Blick auf den wachsenden Reichtum unserer Wirtschaft und auf die Gewinne der Anleger ist das genügend vorhandene Geld für die Einkommen der Normalbürger und die sozialen Sicherungssysteme wiederzugewinnen. Das kann nur eine Umfinanzierung schaffen. Diese wird seit Jahrzehnten nicht nur diskutiert, sondern ansatzweise bereits verwirklicht. Wir streben also nicht nach einer fernen Utopie, sondern nur nach mehr von einem längst in der politischen Wirklichkeit angekommenen Steuerungskonzept, das bisher allerdings in einem viel zu kleinen Umfang und ohne die nötige Konsequenz angewandt wird.

      Nochmal: Umfinanzierung heißt: Da der Faktor Arbeit immer weniger „hergibt“, sind die stattdessen groß gewachsenen und immer weiter wachsenden Faktoren Kapital und Energie abzuschöpfen, um daraus sowohl das Sozialwesen zu bezuschussen als auch für alle eine Einkommenszulage zu finanzieren.

1998 beschloss die sich damals bildende rot-grüne Koalition in ihrem Vertrag, ca. 2% der Arbeitgeberbeiträge zur Rentenversicherung aus der Ökosteuer umzufinanzieren. Dies wurde ab 2001 schrittweise umgesetzt.
Ein weiterer Schritt war 2019 die von der Großen Koalition eingeführte CO2-Bepreisung, faktisch eine Energiebesteuerung. Diese hätte nach dem ursprünglichen Beschluss einen „sozialen Ausgleich“ für den steigenden CO2-Preis finanzieren sollen. Später wurde dieses Vorhaben allerdings zum „Klimainvestitionsfonds“ abgebogen, vermutlich um nur ja nicht die neue, rettende Eigendynamik in Gang zu setzen.
Heilen können hätte dies 2021 der Beschluss der rot-gelb-grünen Koalition, ein „Klimageld“ für alle zu ermöglichen. Der „soziale Ausgleich“ bzw. das „Klimageld“ wäre faktisch ein „bedingungsloses Grundeinkommen“, finanziert aus der Besteuerung fossiler Energieträger.
Allerdings wurde auch dieser Beschluss bekanntlich nicht umgesetzt. Nicht nur das war ein großer Fehler a. Der Hauptfehler b ist, dass mit Ökosteuer und CO2-Bepreisung ausschließlich der Faktor Energie getroffen wird, nicht aber die Hauptursache für den steigenden Verbrauch fossiler Brennstoffe: das ständig wachsende Anlagevermögen.
Ein weiterer Fehler c ist, dass das 1998 beschlossene, seit seiner Einführung 2001 bewährte Prinzip der Umfinanzierung nicht auch auf Kranken- und Pflegeversicherung angewandt wurde. Wenn die Arbeitgeber auch bei diesen beiden Versicherungen entlastet werden, wird dies sofort die derzeit steigende Arbeitslosigkeit dämpfen.
Und schließlich war es töricht d, dass weder für den Rentenkassenzuschuss noch für das Klimageld eine Dynamik beschlossen wurde. Ausschließlich der CO2-Preis entwickelt sich Jahr für Jahr nach oben, was in dieser Form eine enorme Belastung für Haushalte mit Durchschnittseinkommen darstellt.


Die Umfinanzierung passt auf einen Bierdeckel:


Einnahmen:

Energiebesteuerung (Ökosteuer, CO2-Bepreisung)

+

Investmentsteuer (Anlagevermögenssteuer) progressiv gestaffelt


Ausgaben:

Zuschüsse Versicherungen
❖  Rentenversicherung
❖  Krankenversicherung
❖  Pflegeversicherung
+
Zusatzeinkommen / Produktivitätsdividende / "Kreativlohn" / erweitertes "Klimageld"



Neue Ordnung: die konkreten Forderungen
   ❖   Ein bedingungsloses Zusatzeinkommen („Klimageld“, „Kreativlohn“, „Produktivitätsdividende“) für jede/n Einwohner/in in derselben Höhe,
   ❖   dynamisch steigerbar,
   ❖   finanziert aus der vorhandenen Energiebesteuerung (CO2-Bepreisung, Ökosteuer)
   ❖   und aus einer noch einzuführenden Investmentsteuer. Diese soll ebenfalls klein beginnen, um Wirtschaft und Verbraucher nicht zu überfordern, und allmählich steigen. Sie ist progressiv zu staffeln, d.h. für große Betriebsvermögen hoch, für mittlere mittel und für kleine = 0, was nicht nur Selbständige, Familienbetriebe, Unternehmensgründungen fördert, sondern auch Kontrollaufwand/Bürokratie mindert.
   ❖   Aus dem Gesamt-Topf der neuen Steuereinnahmen ist nicht nur das Zusatzeinkommrn (Klimageld+„Kapitalgeld“) zu finanzieren, sondern, nach Kassenlage, je nach Bedarf, auch ein staatlicher Zuschuss zur Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung zu gewähren, der v.a. die jeweiligen Arbeitgeberbeiträge mindert.
   ❖   Um den Betrag der jeweils ausgezahlten Produktivitätsdividende sind sonstige Subventionen im sozialen Bereich („Bürgergeld“ / „Grundsicherung“ usw.) zu kürzen; ab einer existenzsichernden Höhe können diese samt der bürokratischen Sozialverwaltung ganz wegfallen.
   ❖   Je mehr diese neuen Steuern Staat und Sozialwesen finanzieren, desto mehr ist die bisherige Lohn-/Einkommensteuer und Umsatz-/ Mehrwertsteuer zu vermindern, bis diese eines Tages ganz wegfallen können. Aufgrund der sich mindernden „Reparaturkosten“ des Staates (Arbeitslosigkeit, Krankheit, Umweltzerstörung) ist unterm Strich eine weitaus geringere Steuerlast (Staatsquote) zu erwarten.

Vorsicht! Große Unterschiede
      Die beschriebene Finanzierung eines staatlichen Zusatzeinkommens aus der Besteuerung von Anlagen und Energie ist NICHT das „existenzsichernde Grundeinkommen“, das manche Organisationen fordern. Es ist zwar zu erwarten, dass es dynamisch auf die Höhe der Existenzsicherung klettern wird; es soll in der Tat andere Sozialleistungen allmählich ersetzen. Nach dem Prinzip „Klimageld“ ist es aber von Grund auf ein neuer „Leistungslohn“. Automatisch fällt es ja individuell umso höher aus, je weniger für Ressourcenverbrauch/-steuer ausgegeben wird.

Auswirkungen auf kleine und mittelständische Unternehmen
   ❖   Entlastung bei den Arbeitgeberbeiträgen zu den drei gesetzlichen Versicherungen,
   ❖   Entlastung vom existenzbedrohenden Konkurrenzdruck durch weltweit operierende Großunternehmen / Konzerne,
   ❖   Entspannung an der Tarif-Front, da zu erwarten ist, dass die Beschäftigten zunächst andere Wege der Realeinkommenssteigerung nutzen:
–   Erhöhung des Kreativlohns / Grundeinkommens – und:
–   sinkende Lebenshaltungskosten aufgrund sinkender Kapitalkostenanteile in Warenpreisen und staatlichen Steuern,
   ❖   niedriger Krankenstand wegen steigender Fitness-Quote, da ökologisch-soziale Marktwirtschaft gesunde Ernährung und häufige eigene körperliche Bewegung bis ins Alter fördert, während heute Rieseninvestitionen-in-Medizin belohnt werden,
   ❖   wegen Entstressung: mehr Spaß im Job  bessere Ergebnisse,
   ❖   mehr finanzielle Spielräume, mehr Möglichkeiten, im Verhältnis Arbeitgeber-Arbeitnehmer gegenseitig großzügig zu sein  besseres Betriebsklima, weniger Konflikte, mehr Qualität bei den eigentlichen Aufgaben.

Investmentsteuer: Anreiz für Ressourcensparwirtschaft

Erst mit einer Investmentsteuer bringen wir die Elite der Anleger dazu, ihr gesamtes Knowhow auf Einsparung zu richten. Die Investmentsteuer wird zum Steuerungsinstrument für die Gesamtwirtschaft: mit ihr lässt sich die Inflation besser und wirksamer eindämmen als mit der Zinspolitik, die immer zum Nachteil der „kleinen Leute“ ausgeht.
Die Investmentsteuer ist also keine ungerechte „Bestandssteuer“, wie es auf den ersten Blick erscheinen mag, sondern eine Anreize setzende und Leistung generierende Steuer – jedenfalls dann, wenn „Leistung für das Ganze“ im Blick ist.
Der Anreiz, aus dem Grundeinkommen durch Energiesparen mehr herauszuholen, ist das, was die Normalverdienenden zum richtigen, ökologischen Verhalten motiviert. Der Anreiz, Investmentsteuer zu sparen, indem man unter bestimmte Grenzen in der Progression kommt, ist das, was die Reichen und Mächtigen motiviert, zum Nutzen des Ganzen zu handeln. Das Handlungsmotiv „Steuern sparen“ wird zuerst die Unternehmen dazu bringen, mit dem geringstmöglichen Kapitalbestand auszukommen, und infolge auch die Anleger/innen, die natürlich in die effizienteren, sparsameren Unternehmen investieren werden.
Gehen wir diesen Schritt nicht, bleibt es beim Eindruck der breiten Mehrheit, den Mächtigen gehe es ausschließlich um hemmungslose Abzocke. Das verbreitete Gefühl Wir werden belogen und betrogen machen sich freilich auch Parteien zunutze, die nur eine Schein-Alternative bieten, die eigentlichen Methoden der sozialen und ökologischen Ausplünderung erst recht verschleiern und erst recht von Investmentbankern und Verbrennerlobby gesteuert werden.
Damit dürfte der Unsinn bisheriger Ideen zur Kapitalbesteuerung deutlich werden: Eine „Reichensteuer“ setzt bei der individuellen Einkommensteuer an, die durch individuelle Spar-Bemühungen einschließlich eines juristischen Wegs der Durchsetzung durchkreuzt werden kann. Die Reichensteuer würde nur in endlose Verteilungskämpfe und -krämpfe führen.
Stattdessen setzt die Investmentsteuer bei der eigentlichen Quelle für sämtliche Kapitalgewinne an: beim tatsächlich investierten, auf dem Boden stehende „Real-Kapital“. Sie ist eine Analogie zur Ökosteuer: so wie Energiesteuern die letzte Plastiktüte verteuern.
Ähnlich irreführend und vom Thema ablenkend ist die von Grünen und SPD oft ins Spiel gebrachte „Kapitalertragssteuer“. Beim Faktor Energie gibt es ja auch keine überkomplizierte „Energieertragssteuer“! Ganz abgesehen davon, dass wir damit wieder bei derselben individuellen Steuerveranlagung wären wie bei der „Reichensteuer“.
Was wir bei Energie/CO2 haben, ist vielmehr eine „Input-Steuer“ oder „Vorsteuer“, der niemand entkommt. Durch Besteuerung des „Input“ von fossilen Energieträgern wird automatisch alles Weitere miterfasst (was „Tütenverbote“ überflüssig macht).
Auf den Faktor Kapital übertragen: Was an Anlagevermögen in einem Unternehmen real vorhanden ist, Boden, Gebäude, Maschinen, ist der „Input“, der Kapitalgewinne ermöglicht, von Aktien und Pfandbriefen über Mieteinnahmen, Sparbücher (Rendite v.a. aus Unternehmenskrediten) und Spekulationsgewinne bis zum letzten Derivat.
Mit der Investmentsteuer erfolgt die Kapitalbesteuerung objektiv und unabhängig von der Größe des individuellen Vermögens. Sie wirkt sich „automatisch“ aufs individuelle Anlage-Portfolio aus und motiviert zu zukunftssicheren Umschichtungen.

Folgen für die „Dritte Welt“
Sobald der Automatisierungs-, Investitions- und Wachstumszwang endet, fallen die Zinsen, was zur Entlastung sowohl der einheimischen Bevölkerung als auch der „Dritten Welt“ führt. Zugleich ergibt dies eine dauerhafte Deflation. Während im heutigen System der dauernde Verschleiß von Ressourcen – einschießlich Bauflächen – durch die dauernde Verknappung auch in wirtschaftlich „guten“ Zeiten eine zumindest leichte Dauer-Inflation erzeugt, bedeutet eine funktionierende Energiesparwirtschaft, die zugleich eine Kapitalsparwirtschaft sein muss, durch das Schonen und Wiederfreisetzen von Ressourcen eine leichte Dauer-Deflation. Dies bereichert nicht nur bei uns die unteren Einkommensgruppen, sondern hat auch förderliche Folgen für die Schwellen- und Entwicklungsländer – in einer kaum überblickbaren Breite.
Deflationäre Wirkung der CO2-/Ökosteuern: Bei einer international um sich greifenden Tendenz, fossile Energieträger einzusparen, würden sich diese weltweit verbilligen. Im Budget des/der einzelnen bleibt trotz steigender Ökosteuer mehr übrig.
Deflationäre Wirkung der Investmentsteuern: Wenn Unternehmen, um Investmentsteuer zu sparen, ältere Anlagen abstoßen, wird der Weltmarkt mit Investitionsgütern geflutet. Uns mag das (ob bei Computern/Büroausstattung oder Fertigungsmaschinen) als „Drittgarnitur“ erscheinen – doch das ist nur unserer Gewöhnung an den wahnwitzigen Automatisierungsdruck geschuldet. Es waren jüngst noch wertvolle Investitionen! Damit können sich Unternehmen und soziale Einrichtungen in den Entwicklungsländern endlich günstig mit Geräten / Kapital / Ressourcen eindecken, die sie brauchen, um menschenwürdige Lebensbedingungen aufzubauen.
Verstärkt wird dieser Trend, da die Investmentsteuer progressiv gestaffelt ist – wie es heute die Einkommensteuer ist.
Bei einer Weltwirtschaft im Zeichen der geschilderten Trends: Niedrigzinsen / Kapitalverbilligung, Deflation / Ressourcenverbilligung, global und nachhaltig, wird uns mancher gut integrierte Flüchtling schnöde verlassen, weil er lieber in seinem Herkunftsland als Geschäftsmann etwas hochziehen will, als für Mindestlohn (oder darunter) unsere Klos zu putzen oder unsere Schweinehälften im Akkord zu zerteilen.
Zu den Dogmen heutiger Wirtschaftslehre gehört das „Schreckgespenst Deflation“. Genau hier aber könnte sich ein „Paradigmenwechsel“ vollziehen.

      Ähnlich wie die Mechanik Newtons von der Relativitätstheorie Einsteins eingerahmt ist, bildet die Evolution, die durch die ökologisch-soziale Marktwirtschaft besser als durch die bisherige Fixierung aufs Kapitalstockwachstum abgebildet wird, einen neu erkannten Rahmen, der das Wirtschaftsgeschehen umgibt und steuert. Damit herrschen im Gesamtsystem andere Gesetzmäßigkeiten als im bisher (von Lehrbüchern) isoliert betrachteten „klassischen“ Subsystem. Nur in einer Wachstums-abhängigen Wirtschaft ist Deflation schädlich.


Fazit

Das Abschöpfen der beiden groß gewachsenen Wirtschaftsfaktoren Kapital und Energie durch zwei einfache, nicht umgehbare Ressourcensteuern ist endlich die gesellschaftlich-politische Antwort auf ein Vierteljahrtausend Industrialisierung. Die Fixierung auf den Tariflohn aber gaukelt uns vor, wir seien immer noch im 18. Jh.
Die „vielen“, scheinbar kaum noch zu überblickenden Probleme, von der Zunahme der Armut über Sozialabbau und Umweltzerstörung bis zur Massenmigration resultieren aus einer einzigen Ursache: dass uns das Mitverdienen am Wachstum durch ökologisch-soziale Umfinanzierung aus reiner Habgier verweigert wird.

   ❖   Die Erkenntnis, dass unsere Wachstumskurve in eine S-Kurve zu überführen ist,
   ❖   eine Evolutionstheorie mit der Differenzierung zweier Wege,
   ❖   die entsprechende Unterscheidung des sozial- und umweltverträglichen kreativen bzw. Informations-„Wachstums“ vom zerstörerischen Kapitalstockwachstum,
   ❖   die Entdeckung der Volumen- und Kosten-Scheren zwischen Anlagen/Energie und Arbeit

sind Voraussetzung, um zu verstehen, dass eine Umfinanzierung von Einkommen und Sozialkosten bzw. eine gerechtere Einkommensverteilung mit den Instrumenten einer ökologisch-sozialen Marktwirtschaft der Lösungsweg ist, der uns vor Crash und vor weiterem Ausufern der Krisen bis hin zum Kippen demokratischer westlicher Gesellschaften in die Diktatur bewahrt.


   
Profit to the People!

    Von der Kapitalstock-Maximierung zur Steigerung des Schöpferischen!


                                       
Kreative aller Länder und Kulturen,
    Klassen und Parteien, Künste und Techniken,
    Stoßt das Tor auf zur neuen Epoche !

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